Er spürte wieder die Schnallen an seinem Hinterkopf, enges Leder an den Schläfen.
(Kai Meyer: Die Gebannte. München: Heyne 2012, S. 48.)
Was Gillian dort spürt, ist eine Maske aus Leder. Solcherlei Gesichtsmasken wurden in den Psychiatrien des 19. Jahrhunderts verwendet, um die Gefangenen am Schreien zu hindern.
Gillians Maske hingegen bedeckt die Augen, damit sein Peiniger dem Blick nicht ausgesetzt wird.
Er trug eine Maske aus Lederbändern, die seine Augen bedeckte, Nase und Mund jedoch frei ließ. Sie musste am Hinterkopf mit Schnallen fixiert sein.
(Kai Meyer: Die Gebannte. München: Heyne 2012, S. 113.)
Die bekannteste ist die sogenannte Autenriethsche Maske, die der Dichter Friedrich Hölderlin während seiner Zwangsbehandlung in der Tübinger Universitätsklinik (1806) tragen musste:
Es gab aber im Klinikum die Autenriethsche Maske, vom Leiter des Instituts gegen das Schreien seiner Patienten erfunden. Sie bestand aus Schuhsohlenleder und umfaßte unten mit einer Art Boden das Kinn. Dem Mund gegenüber befand sich auf der inneren Seite ein weich ausgepolsterter Wulst von feinem Leder. Je eine Öffnung war für Nase und beide Augen bestimmt. Mit zwei Riemen, die über und unter den Ohren von vorn nach hinten liefen, wurde die Maske am Hinterkopf befestigt, während ein dritter breiter Riemen, durch lederne Bügel an den Seiten der Maske gehalten, unten den Boden der Mundhöhle quer faßte und oben auf dem Scheitel zusammengeschnallt wurde. Dadurch war das zu weite Öffnen des Mundes verhindert. Die Lippen drückte der Lederwulst von vorn gegeneinander. Damit der Kranke die Maske nicht herunterreißen konnte, wurden ihm die Hände auf dem Rücken zusammengebunden. In dieser Zwangslage ließ man die Patienten manchmal für Stunden, und nach den Versicherungen Autenrieths, schrien sie später nicht mehr, selbst wenn man ihnen die Maske abgenommen hatte.
(Gerhard Wolf: Der arme Hölderlin. In: Christa Wolf, Gerhard Wolf: Ins Ungebundene gehet eine Sehnsucht: Projektionsraum Romantik. Berlin: Insel 2008, S. 17.)
Der Fremde verwirrte sie. Aura zerbrach sich den Kopf darüber, was genau es sein mochte, das sie so irritierte. Sie war beileibe nicht in der Stimmung, sich Gedanken über andere zu machen, und doch ließ ihr seine Anwesenheit keine Ruhe.
Es geht um alte Bekannte, die wieder auftauchen; um den Boom des Okkultismus in den Zwanzigerjahren; es geht um Automatenmenschen, Blutopfer, wahnsinnige Irrenärzte, die ewige Jugend und immer wieder um die Geheimnisse Prags. Außerdem – das Cover deutet es an – führe ich eine zweite Familie ein, die Octavians, die eng mit den Institoris verflochten sind und zugleich zu Gegnern werden. Damit öffne ich ganz bewusst die Tür zu weiteren Bänden, die ich hoffentlich irgendwann schreiben werde.
[Kai Meyer beim Interview auf der Phantastik-Couch
am 21. November 2011]
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Die Romane wurden ungekürzt von Philipp Schepmann als Hörbücher eingelesen. Nun gibt es den neuen Teil Die Gebannte.
Für Kenner von Kai Meyers Werk gibt es ein Exemplar des Romans Die Gebannte zu gewinnen.
Dieter Jüdt entwarf vor etwa fünfzehn Jahren Cover für Die Alchimistin.
Die Vorlage für das Cover
von Die Gebannte.
Die erste Lesung aus Die Gebannte findet im Rahmen von Leipzig liest statt.
Das Interview mit Kai Meyer für den Buchtrailer zu Die Gebannte fand auf einem Friedhof statt.
Einige Sätze aus dem noch unveröffentlichten Roman.
Als Unsterbliche ist die Alchimistin auch eine Gebannte der modernen Gesichtschronik.
Der dritte Teil der Alchimistin-Saga:
Die Gebannte erscheint im März 2012.
Kai Meyer hat seit 1994 über fünfzig Romane geschrieben, die in rund dreißig Sprachen erschienen sind.
Der Durchbruch gelang ihm mit dem unheimlichen Roman Die Geisterseher. Es folgten unter anderem die international erfolgreiche Trilogie um Merle und die Fließende Königin und das mit dem Buchpreis Corine ausgezeichnete Märchen Frostfeuer.
Die Alchimistin war Kai Meyers erster Bestseller.
Trotz eines Ausfluges in die Kinderliteratur mit der Sieben-Siegel-Reihe zieht es ihn immer wieder zu düsteren Stoffen und Stimmungen hin, wie etwa in seinen Romanen Das Zweite Gesicht und Das Haus des Daedalus/Die Vatikanverschwörung.
Auch das Thema Alchimie lässt ihn nicht los. Dieser Einfluss ist deutlich in der Arkadien-Trilogie erkennbar – dort tritt Aura sogar einmal ins Gesichtsfeld der Protagonistin Rosa Alcantara. Einen Einblick in seine aktuelle Arbeit und Interessen bietet der Autor bei Facebook, Twitter und auf seiner Website.
“Gillian versuchte zu nicken, aber die Riemen und Schnallen hielten seinen Kopf fest wie ein Schraubstock.”
Der unheimliche Stuhl, auf dem Gillian gefangen gehalten wird, war eine anerkannte Therapie-Maschine in den Psychiatrien des 19. Jahrhunderts.
In der Neuauflage von Die Alchimistin gibt es ein ausführliches Bonusmaterial. Dabei verrät der Artikel Die Entstehung des Romans viel über Kai Meyers Arbeit.
Auch in der Neuauflage von Die Unsterbliche ermöglicht der Artikel Die Entstehung des Romans einen Einblick in Kai Meyers Arbeit.
Fabian Maerz
Kai Hoffmann
Martin Steffen